Krieg gegen die Ukraine Bundeskanzler Scholz traf in Kiew ein

Stand: 16.06.2022 09:59 Uhr

Bundeskanzler Scholz reiste in Begleitung des französischen Präsidenten Macron und des italienischen Ministerpräsidenten Draghi nach Kiew. Schon vor den Beratungen mit Präsident Selenskyj sicherte Scholz der Ukraine noch einmal umfassende Hilfe zu.

Bundeskanzler Olaf Scholz ist zu einem Besuch in Kiew eingetroffen. Er reiste mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi in die ukrainische Hauptstadt. Die drei Regierungschefs treffen sich hier zu Gesprächen mit Wolodymyr Selenskyj, dem Präsidenten der Ukraine. Auch der rumänische Präsident Klaus Iohannis, der ebenfalls nach Kiew gereist ist, wird an den Beratungen teilnehmen, wie das Staatsoberhaupt selbst in einem Tweet ankündigte.

Scholz verspricht dauerhafte Hilfe

Auf dem Weg nach Kiew sagte Scholz der Ukraine noch einmal volle Unterstützung zu. „Es ist wichtig, wenn die Regierungschefs der drei großen Länder, die an der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft beteiligt waren, nach Kiew reisen und ihre Unterstützung für die Ukraine und die Bürger der Ukraine in dieser ganz besonderen Kriegssituation zeigen.“ , so der SPD-Politiker. Ziel des Besuchs sei es, der Ukraine zu versichern, „dass die Hilfe, die wir organisieren, finanziell, humanitär, aber auch in Bezug auf Waffen, fortgesetzt wird“. Scholz bekräftigte, dass solche Hilfen so lange geleistet würden, wie sie “für den Unabhängigkeitskampf der Ukraine” benötigt würden.

„Erwartet werden konkrete Zusagen und kein rein symbolischer und solidarischer Besuch“, sagt Vassili Golod, WDR, derzeit in Kiew, zu den Erwartungen an den Besuch von Bundeskanzler Scholz in Kiew.

Tagesschau 09:00 Uhr, 16.6.2022

Am Kiewer Bahnhof angekommen, betonte Macron zudem, dass Frankreich, Deutschland und Italien mit diesem Besuch ein „Signal der europäischen Solidarität“ mit der Ukraine senden wollten. Pläne für einen Besuch in der Ukraine wurden Anfang dieser Woche angekündigt, aber nicht offiziell bestätigt. Schon länger sollen die drei Regierungschefs über die gemeinsame Reise verhandelt haben.

Mehr als nur ein Fotoshooting

Die Kritik an Scholz hatte seit Kriegsbeginn zugenommen, weil er nicht in die Ukraine gereist war. Andere hochrangige Politiker haben sich jedoch bereits mit Selenskyj getroffen, darunter der britische Premierminister Boris Johnson sowie die Regierungschefs Polens, Tschechiens und Sloweniens. Mehrere deutsche Politiker waren bereits in die Ukraine gereist: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock war vor rund fünf Wochen in Kiew, auch CDU-Chef Friedrich Merz und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas kamen.

Scholz hatte allerdings mehrfach betont, er wolle sich “nicht mit einem Fotoshooting einer Gruppe von Leuten anschließen, die etwas für einen Ein- und Ausstieg tun”. Es wird erwartet, dass sein Besuch von konkreten Zusagen für mehr Unterstützung für die Ukraine begleitet wird.

Melnyk drängt auf konkrete Zusagen

Auch der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, forderte gegenüber der “Rheinischen Post”, Scholz solle mit umfangreichen Waffenlieferungsversprechen in Kiew eintreffen. Melnyk nannte 88 Kampfpanzer Leopard 1 und 100 Schützenpanzer Marder, die der Rheinmetall-Konzern sofort liefern könne. Zudem muss Scholz weitere Waffen aus dem Bestand der Bundeswehr freigeben. Mittelfristig braucht die Ukraine auch deutsche U-Boote, Korvetten, Patrouillenboote und Kriegsschiffe zur Verteidigung der eigenen Schwarzmeerküste.

Die Ukraine und ihr Präsident drängen immer wieder auf größere Lieferungen schwerer Waffen. Diese werden derzeit vor allem im Osten des Landes zur Verteidigung der heiß umkämpften Gebiete Luhansk und Donezk benötigt.

Deutschland will mehrere Raketenwerfer liefern

Die deutsche Haltung gegenüber der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine hatte sich seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine grundlegend geändert. Vor allem Bundeskanzler Scholz lehnte den Schritt zunächst aus Sorge ab, dass die Nato und damit auch ein Mitglied Deutschlands nicht Teil des Cheetah War oder der Panzerhaubitze 2000 werden würden.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht hat der Ukraine nach dem gestrigen Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe zudem die Lieferung von drei Mars-II-Mehrfachraketenwerfern aus Deutschland zugesichert. Deutschland will auch Raketen und Ersatzteile für diese Waffensysteme liefern und ukrainische Soldaten mit Raketenwerfern ausbilden.

In der gemeinsamen Morgensendung von ARD und ZDF kündigte der SPD-Politiker zudem an, dass die Auslieferung der versprochenen selbstfahrenden Granaten unmittelbar bevorstehe. „Die Ausbildung ist fast abgeschlossen. Und jetzt können die ausgebildeten ukrainischen Soldaten mit Panzergranaten in die Ukraine verlegt werden“, sagte Lambrecht. Auch Cheetah-Panzer werden in Kürze in die Ukraine geliefert.

Bisher hat die Ukraine den größten Teil ihrer militärischen Unterstützung von den Vereinigten Staaten erhalten. Pentagon-Chef Lloyd Austin hat am Mittwoch ein weiteres 1-Milliarden-Euro-Paket zur Bereitstellung von Militärhilfe für die Ukraine angekündigt.

Bundeskanzler Scholz besucht Kiew

Andrea Beer, ARD Moskau, aktuell Kiew, 16.06.2022 07:47 Uhr

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *