Wer Putin auf der Brust trägt, sollte darauf warten, danach gefragt zu werden. Prorussische Demonstranten im Mai im Libanon Bild: dpa
Oft ist von Einwanderung aus der Türkei und Syrien die Rede. Die Integrationsschwierigkeiten der Russlanddeutschen werden zum Schweigen gebracht.
Die Warnung vor “Diskriminierung von Russen und der russischsprachigen Bevölkerung” ist wohl die am häufigsten verwendete Formulierung russischer Diplomaten im Ausland. Control + Insert, Tatsache ist der Zustand des Opfers. Auch Autoparaden unter russischer Flagge, die in den vergangenen Wochen stattfanden, sollen auf „Diskriminierung“ abzielen. Die jungen Männer, die Putin-ähnliche T-Shirts auf ihren durchtrainierten Körpern trugen, sprachen von Anfeindungen am Arbeitsplatz oder auf Schulhöfen.
Wenn es zu Gewalt oder Misshandlungen gegen Menschen russischer Herkunft kommt, muss sich die Gesellschaft diesen Handlungen ohne Ja oder Nein entgegenstellen. Bis heute wurden fast keine schwerwiegenden Fälle einer solchen Diskriminierung dokumentiert. Vielmehr geht es um die Frage, wo angesichts eines monströsen Angriffskriegs die Grenze zwischen Gruppendiskriminierung und legitimer Debatte verläuft. Die Angst vor Diskriminierungsvorwürfen darf jedenfalls nicht dazu führen, dass die Integration der russischen Community in Deutschland nicht offen diskutiert wird. Diese Debatte ist beendet.