kritischer Moment
Die SNB erhöht die Zinsen überraschend deutlich: Der Direktor warnt vor neuen Erhöhungen „in absehbarer Zeit“
Wie die USA reagiert auch die Schweizerische Nationalbank auf die steigende Inflation. Überraschenderweise steigt der Leitzins um 0,5 Prozentpunkte. Dieser bleibt jedoch mit -0,25 Prozent negativ.
Die Nationalbank unter Führung von Direktor Thomas Jordan (Mitte) erhöhte überraschend den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte. Mit -0,25 Prozent bleibt er jedoch negativ.
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöht erstmals seit 15 Jahren ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte. Mit -0,25 Prozent bleibt er jedoch immer noch im negativen Bereich. Das gab die SNB am Donnerstag in ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung bekannt. „Eine strengere Geldpolitik soll verhindern, dass die Inflation in der Schweiz auf Waren und Dienstleistungen übergreift“, begründet Direktor Thomas Jordan den Entscheid.
Wie der Direktor der SNB gegenüber Medien erklärte, gibt es inzwischen Hinweise auf Preiserhöhungen bei Waren und Dienstleistungen, die nicht auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen sind. Das allgemeine geldpolitische Umfeld sei „extrem volatil“, warnte Jordan. Daher ist die Nationalbank bereit, bei Bedarf in beide Richtungen tätig zu werden, dh neue Käufe oder neue Verkäufe von Aktien und Währungen.
Thomas Jordan bekräftigte, dass das Hauptziel der SNB weiterhin darin besteht, die Preisstabilität in der Schweiz mittelfristig zu gewährleisten. Aus diesem Grund warnte der SNB-Direktor auch davor, dass „in absehbarer Zeit“ „weitere Zinserhöhungen nötig sein könnten“. Ab Freitag gilt der neue Leitzins von -0,25 Prozent.
Seit 2015 liegt der Leitzins bei -0,75 Prozent
Laut Nationalbank hat die Inflation in der Schweiz im Mai 2,9 Prozent erreicht und “dürfte vorerst hoch bleiben”, schreibt er. Diese neue Inflationsprognose basiert jedoch auf der Annahme, dass der Leitzins der SNB für den gesamten Prognosezeitraum bei -0,25 Prozent liegen wird. Laut Thomas Jordan wäre die Inflationsprognose ohne die heutige Zinserhöhung „deutlich höher“. Einen Prozentsatz nannte er jedoch nicht.
Am 18. Dezember 2014 führte die SNB den Negativzins ein. Damals betrug er -0,25 Prozent. Im Januar 2015 senkte sie ihn auf aktuell -0,75 Prozent, indem sie auch den Euro-Mindestkurs aufgab. Thomas Jordan äußerte sich angesichts der nun beschlossenen Erhöhung nicht zu den Diskussionen. Aufgrund der Ausgangslage im In- und Ausland hat die SNB nun aber entschieden, die Geldpolitik zu straffen.
Auch die USA erhöhen die Zinsen, und die EU plant dasselbe
Die US-Notenbank Federal Reserve hat die Zinsen am Mittwoch kürzlich um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Sie liegt jetzt zwischen 1,5 und 1,75 Prozent. Dies ist die dritte Leitzinserhöhung seit Beginn der Corona-Pandemie. Mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte hat die Federal Reserve (EDF) nun aber die größte Zinserhöhung seit 1994 vollzogen. Mit der überraschend starken Entscheidung wollen die Währungshüter gegen die hohe Inflation in den USA vorgehen. Zuletzt lag dieser in den USA bei über 8 Prozentpunkten.
Auf diese Entscheidung hat die Europäische Zentralbank (EZB) gewartet. Im Mai kündigte der Präsident der EZB an, dass die Zinsen im Juli und September steigen würden. Das wären die ersten Erhöhungen seit elf Jahren. Und sie könnten die Ära der Negativzinsen beenden. Zinsänderungen sind also in greifbare Nähe gerückt. Der Umfang ist jedoch noch ein Rätsel.