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Das Leben in den USA ist in einem Jahr um fast 9 % gestiegen. Damit sind die Preissteigerungen so massiv wie seit gut vierzig Jahren nicht mehr. Ein großes Problem für Geringverdiener. Und nun?
Ein Uber-Fahrer in Washington DC steht symbolisch für alle Geringverdiener in den USA, die massiv unter den aktuellen Preissteigerungen leiden: Jeden Tag steige der Benzinpreis wieder, sagt er gegenüber SRF. Das zweite Auto der Familie bleibt in der Garage, um Geld zu sparen. Er bringt seine Frau morgens zur Arbeit und holt sie abends wieder ab, anstatt sie selbst zu fahren.
10 Cent, 15 Cent: Der Benzinpreis steigt täglich.
Der Fahrer müsste den größten Teil der zusätzlichen Kraftstoffkosten bezahlen, erklärt der Uber-Fahrer. Als Entschädigung gibt es nur 55 Cent Treibstoffzuschlag pro Fahrt mit Uber. Damit wirkt sich der Anstieg des Benzinpreises um gut 60 Prozent in den letzten zwölf Monaten direkt auf das Portfolio aus.
Finanzminister: Ich habe die Dynamik unterschätzt
Viele in den USA sorgen sich um die Preise im Galopp: Treibstoff, Lebensmittel, Kleidung. Umfragen beweisen es. Infolgedessen ist ein Großteil der Bevölkerung mit der Regierung unzufrieden. Sie tun nur sehr wenig gegen die Inflation und damit den Kaufkraftverlust.
Der Unmut überschattet sogar die Tatsache, dass Vollbeschäftigung herrscht und sich die Wirtschaft nach der Corona-Krise erholt hat. Tatsächlich ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie vor der Pandemie. Dank der guten Arbeitssituation steigen die Löhne. Aber die Preise steigen noch mehr.
Bildunterschrift: Gefangen in der Inflationsfalle: Guter Rat ist teuer, auch für Finanzministerin und frühere Notenbankchefin Janet Yellen. Schlussstein
Vor einem Jahr gab Finanzministerin Janet Yellen in einem Interview mit CNN zu, dass sie die Inflationsdynamik unterschätzt habe. Hauptgrund für den Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise ist aber neben den pandemiebedingten Engpässen der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Und eines ist klar: Die Bekämpfung der Inflation hat für die Regierung höchste Priorität.
Inflation ist das Übel unserer Existenz.
Biden muss handeln, aber wie?
Der Präsident der Vereinigten Staaten steht unter Druck: „Inflation ist das Übel unserer Existenz“, sagte Joe Biden der Late Night Show von Jimmy Kimmel. Deshalb will sie die Lebenshaltungskosten senken, etwa durch billigere Drogengesetze. Fraglich ist allerdings, ob er die nötige Mehrheit im Parlament finden wird. Sicher ist nur, dass Biden etwas unternehmen muss. Andernfalls droht seiner Partei bei den Kongresswahlen im November ein Desaster.
Auch die US-Notenbank ist gefordert. Die Zinsen werden diesen Sommer steigen. Die Idee dahinter ist, dass höhere Zinsen Kredite teurer machen. Dies bremst den Konsum, was den Druck auf die Preise verringern dürfte. Aber diese Geldpolitik ist riskant: Wenn die Zentralbank zu schnell handelt, wird sie die Wirtschaft unbeabsichtigt in eine Rezession führen; Arbeitsplätze gehen verloren und im schlimmsten Fall folgt eine Rezession. Daher kann Präsident Biden nur erwarten, dass der Notenbank der Spagat gelingt.
Warten auf „historische Ausnahme“
Das ist hart, sagte Ökonom Larry Summers gegenüber CNN. Die Erfahrung zeigt: Wenn die Inflation so stark ansteigt, wie sie derzeit über vier Prozent beträgt, und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit so niedrig ist, kommt es meist zu einer Rezession. Wenn es der Zentralbank diesmal gelingt, die Wirtschaft reibungslos zu landen, wäre das die historische Ausnahme, nicht die Regel.
Bei der Eindämmung der Inflation steht viel auf dem Spiel. Für die Regierung, die Zentralbank und die breite Öffentlichkeit.
Echo of Time, 12. Juni 2022, 18 Uhr; srf/bauj; prim