Freunde sind sie wohl nicht mehr: Matthias Flückiger (links) und Nino Schurter Bild: keystone
Die Rivalität zwischen Mathias Flückiger und Nino Schurter erreicht am Weltcup Lenzerheide ein neues Level. Die beiden kollidieren und vergeben einen Doppelsieg. Der Vorfall wurde noch nicht archiviert.
12.07.2022, 09:1312.07.2022, 09:17
Es war eine Szene, die die Beziehung der beiden Schweizer Mountainbiker schonungslos offenlegte: Nino Schurter fuhr vorneweg, klammerte sich an seinen Thron, getrieben von dem Gefühl, dass jede Gelegenheit seine letzte sein könnte. Hinter ihm schob und schob Mathias Flückiger, müde von der zweiten Reihe.
Der langjährige Schattenmann, der vor einem Jahr vom Deck kam, hat mit den Weltcup-Siegen, dem Gewinn des Weltcup-Gesamtsiegs und Olympia-Silber viel Selbstvertrauen gewonnen und lässt nun keinen Zweifel mehr an seiner Konfrontationsbereitschaft. In einer Passage abseits der Kameras startete Flückiger ein waghalsiges Manöver, um in den Zauberwald vorzudringen, es gab eine Berührung und einen doppelten Sturz. Das Ergebnis: 3. und 4. Platz statt 1. und 2. – und viele Probleme.
Die heiße Schlussphase, leider ohne die Szene im Zauberwald. Video: SRF
„Du bist nicht normal“, warf Schurter seinem Konkurrenten zu. “Hey, sei anständig”, antwortete jemand aus Flückigers Lager. Mittlerweile gibt es sogar den Vorwurf, dass Schurter Flückiger ihm sogar in den Rücken geschlagen haben soll. Beat Wabel, der technische Delegierte der UCI, bezeichnet Schurters Verhalten im Zielgebiet als “Don’t go”. Er habe Flückiger wie eine Furie angegriffen und ihm mit der Faust auf die Schulter oder den Rücken geschlagen, ziemlich aggressiv, auf eine gute Art nicht einfach, so Wabel.
Schurters Treffen mit Flückiger nach Rennende. Video: SRF
Auch Flückiger bestätigte den Schlag auf den Rücken: „Wenn er mir dann in den Rücken schlägt, kann ich das noch weniger verstehen“, sagte er laut „Blick“ zu dem Vorfall. Schurter wehrt sich gegen den Vorwurf: „Ich habe Mathias nicht geschlagen, ich habe ihm nur auf den Rücken geklopft.“
Wieder Aussage gegen Aussage, wie am Tatort des magischen Falles, der den Unfall verursacht hat. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» einen Tag später schildert Schurter erstmals ausführlich seine Sicht der Dinge. Er wurde plötzlich hinter dem Wald in einer geraden Strecke eingeklemmt, “wo für zwei Fahrer einfach kein Platz ist”.
Dort gibt es keine zweite Linie, sie hat nur eine Fahrspur“, erklärt Schurter. „Ich habe nicht einmal gemerkt, dass es kommen würde. Es ging alles sehr schnell. Wir sind beide zu Boden gefallen und lagen fast übereinander. Die nächsten beiden Piloten mussten über uns springen.“
Die Möglichkeiten waren schneller erschöpft und er versuchte einfach alles noch einmal. „Auch das, was nicht machbar ist. Auf den Trails gibt es viele Stellen, an denen man nicht weiterkommt.“ Das müsse man als Rennfahrer aushalten, so Schurter.
Flückiger vor Schurter, so stand es am Ende Foto: Tresorschlüssel
Flückiger hat sich seit Sonntag nicht mehr zu dem Vorfall geäußert. „Es tut mir leid, dass es passiert ist. Aber es ist ein Rennen, jeder will gewinnen“, erklärte er kurz nach dem Rennen und fügte hinzu, dass er von Schurter gelernt habe, wie man vorankommt und wie dreist man fahren kann.“ Flückiger bezog sich auf die Welt Meisterschaften. Letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft, wo Schurter sich mit einem schnellen Überholvorgang in der letzten Runde den Titel vor der Nase weggeschnappt hat. „Ich kann nur sagen, dass ich in den letzten 20 Jahren noch nie auf jemanden geschossen habe“, sagte Schurter.
Der Kampf um WM-Gold im vergangenen Jahr zwischen Schurter und Flückiger.Video: SRF
Am liebsten würde der neue Weltmeister vorerst alles in Ruhe lassen, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. „Das ist uns damals einfach aufgefallen. Wir werden darüber reden und reden“, sagte Schurter. „Es ist schief gelaufen, du kannst es nicht mehr ändern. Jetzt habe ich Lust.“ Flückiger sagte am Sonntag: “Ich hoffe, niemand hegt einen Groll, es wäre schade.”
Trotz der versöhnlichen Worte sollte es definitiv nicht das letzte Kapitel der Rivalität zwischen den beiden Schweizern gewesen sein. Das nächste folgt bald: Die Weltcuprennen in Vallnord, Snowshoe und Mont-Sainte-Anne stehen in den nächsten Wochen bevor, gefolgt vom Weltcup in Les Gets, wo Flückiger seinen ersten und Schurter seinen gewinnen will. Zehnter Weltmeistertitel. Spätestens dort werden alle Augen auf die beiden Schweizer Rivalen gerichtet sein. (vor / sda)
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