Die Spannung wächst. Nach jahrelanger Bauzeit will das Deutsche Museum am 8. Juli den ersten Teil seiner erneuerten Ausstellungen eröffnen. Insgesamt gibt es 19, von Kernphysik bis Gesundheit und Robotik. Die Erwartungen sind hoch, zumal die Museumsleitung immer wieder Superlative vorschlägt: „alles neu“, „das modernste deutsche Museum aller Zeiten“. Doch nach der zweiten Pressetour bleibt nur eines zu sagen: Wer das glaubt, wird enttäuscht.
Einerseits ist klar, dass es kein globales Konzept gab. Jeder Kurator konnte seine eigenen Designer beauftragen. So finden sich in manchen Räumen vor allem Trennwände, Schaufenster und Texttafeln, während das Gesundheitsamt ein riesiges Modell und einen Eingang eines menschlichen Körpers präsentiert. Es gibt einen modernen OP-Tisch, ein Augendiagnosegerät und eine interaktive Station, die zeigt, welche Muskeln und Knochen bei Bewegungen involviert sind. Aber was ist mit der Pandemie? Kommt die Krone überhaupt vor? Was ist mit Impfstoffen? Der gelbe Impfpass hängt in einer Vitrine neben mehreren Flaschen: Polio, Pocken, Tetanus und ja, auch eine gegen Covid von Biontech.
Davor steht der erste Inkubator von Robert Koch, der erstmals den Anthrax-Erreger kultivierte. Was für eine tolle Geschichte könnte man über diesen Mann, den ersten Hygieneprofessor Deutschlands, erzählen. Im Auftrag der kaiserlichen Kolonialverwaltung reiste er nach Afrika und Asien, um Cholera, Malaria und Typhus zu untersuchen. Er stand in ständiger Rivalität mit dem Franzosen Louis Pasteur. Getäuscht von einem angeblichen Tuberkulose-Medikament, das ihn bereichert hätte – zu Kochs Zeiten starb etwa jeder siebte Deutsche an „Konsum“ – entpuppte es sich jedoch als Fälschung. All diese Geschichten bleiben verborgen. Stattdessen wieder eine kleine Texttafel.
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Die Ausstellung möchte einen Einblick in die Welt der Forscher bieten. Zum Beispiel mit diesem Ionenimplanter.
(Foto: Florian Peljak)
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Ein Stück Musikgeschichte: der Moog-Synthesizer.
(Foto: Florian Peljak)
Aber vielleicht werden diese Begleitinformationen in Zukunft aufs Handy oder in die Museums-App geliefert. Es heißt, „große Dinge“ seien zu erwarten. Zum Beispiel in der Musikabteilung. Beeindruckend ist der Raum mit den historischen Orgeln, die originale Stuckdecke wurde restauriert, ein Highlight, denn die Orgel der ältesten Kirche Bayerns präsentiert sich auf einer Empore mit sakralem Aspekt. Klangbeispiele von 40 verschiedenen Instrumenten und Film-Soundtracks sollten über den digitalen Führer oder die App des Museums verfügbar sein.
In der Chemie gibt es drei sehr große Räume mit Nachbauten historischer Laboratorien. Zum Beispiel die von Justus von Liebig, der einst in der Münchner Karlstraße stand. Der Erfinder von Rinderextrakt, Chloroform-Anästhetikum und Superphosphat-Dünger war einer der höchstdekorierten Wissenschaftler seiner Zeit. Über sein aufregendes Leben ist jedoch nichts bekannt. Zukünftig werden jedoch chemische Experimente in einem kleinen Konferenzraum und Labor präsentiert.
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Ein Schmuckstück unter Stuck: eine imposante Orgel von Jürgen Ahrend.
(Foto: Florian Peljak) Offene Detailansicht
Eine Skulptur aus Elektroschrott, hergestellt in unseren eigenen Werkstätten.
(Foto: Angelika Warmuth / dpa)
Dann kommt die moderne Chemie, es gibt Themeninseln. „Viele Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Plastik“, sagt er. Insbesondere Lebensmittel werden durch Kunststoffverpackungen geschützt. Aber man sollte die Verpackung nicht einfach wegwerfen. Keine Zahlen, keine Daten, keine Analyse des riesigen Plastikproblems der Gegenwart.
Die Sonderausstellungen der letzten Jahre – zum Anthropozän, zum Kaffee oder zur Energiewende – hatten Hoffnung gemacht, dass sich das Museum künftig auch den Fragen widmet, die das 21. Jahrhundert zur Technikgeschichte aufwirft: zum sozialgeschichtlichen Kontext, weiter Politik und Wirtschaftsbeziehungen, über die Folgen der Technik. Bisher hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Die hauseigenen Werkstätten fertigten lediglich eine imposante Skulptur aus Elektroschrott als Erinnerung für die Besucher.
Festakt im Deutschen Museum am 7. Juli, Eröffnung neuer Ausstellungen für Besucher am 8. Juli; dann beginnt Teil II der Renovierung; Altbergwerksexperimente und Starkstromexperimente sind nur noch bis zum 28. Juni geöffnet.