Ralph Donghi (Text und Fotos)
Lorena W.* (†21) starb vor knapp 14 Jahren bei einem der schwersten Raserunfälle der Schweiz. Am 8. November 2008 traten drei Jugendliche bei einem Rennen in Schönenwerd SO an. Der Spitzenreiter des schwarzen Audi (18) krachte schließlich in den mit über 100 km/h drehenden roten Golf der Stadt, in dem Lorraine saß.
Seine Mutter Brigitte W.* (57) hat damals nicht nur langwierige Strafverfahren wegen Geschwindigkeitsüberschreitung über sich ergehen lassen, sondern auch mit anderen Angehörigen von Raseropfern für schärfere Gesetze gekämpft. Erfolgreich: Im Rahmen des Verkehrssicherheitspakets «Via sicura» wurde 2013 der Artikel zu Geschwindigkeitsübertretungen eingeführt. Damit soll Geschwindigkeitsüberschreitung härter bestraft werden.
Nicht unbedingt ein Jahr Gefängnis
Doch kürzlich hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat entschieden, dass die Mindeststrafen für zu schnelles Fahren gesenkt werden sollen. Das bedeutet unter anderem, dass Raser nicht mehr zwingend zu mindestens einem Jahr Gefängnis verurteilt werden. Je nach Fall und Ermessen des Richters sind auch wieder reine Bußgelder möglich.
«Ich kann es kaum glauben», sagt Brigitte W. zu Blick. „Sie haben jahrelang für etwas gekämpft, und jetzt wird alles, was einst gesetzlich verankert und verbessert wurde, einfach weggeworfen. Das macht die Sache nur noch schlimmer!“
Die Läufer zeigten keine Reue
Der Leidensweg von Brigitte W. begann an dem Tag, an dem ihre Tochter starb. „Ich habe etwa zwei Stunden nach ihrem Tod von der Hauspolizei von Lorraines Tod erfahren“, sagt er. “Es war ein Schock.” Ich hatte es lange nicht wirklich verstanden. “Es ist ein Tag, den Sie nie vergessen werden. Das Leben ändert sich.”
Gerade der Strafprozess sei für Brigitte W. “eine schwierige Zeit” gewesen, sagte sie. “Weil du nie ruhst.” Er könne Lorraines Tod nicht verarbeiten, „weil es ein zehnjähriger Prozess war“. Die Läufer zeigten keine Reue.
Mom denkt jeden Tag an Lorraine
Besonders schmerzhaft war es laut Brigitte W.: „Die Läufer haben die Urteile immer wieder gepusht.“ Bis zum Bundesgericht. Am Ende erhielten die beiden Mitangeklagten jeweils ein Jahr Haft, die Hauptangeklagten sechs.
Heute sind alle drei Fahrer seit einiger Zeit frei und einige fahren wieder. „Es ist nicht in Ordnung, dass die Täter machen, was sie wollen“, sagt Brigitte W. Lorena, die gleichzeitig unschuldig starb. “Er ist gesund von zu Hause weggegangen und in einem Sarg zurückgekommen.” Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke.
Keine Wünsche mehr an Politiker
Brigitte W. verbirgt ihre Gefühle für Raser. “Der Schmerz für Lorraine ist noch größer.” Aber natürlich, wie man mit Rasern umgeht, “kann ich nicht verstehen.” Vor allem jetzt, wo der schnelle Artikel neu aufgelegt wird. Sie fragt: “Warum sollte man Menschen schützen, die mit 100 km/h durchs Dorf fahren?”
Die Entscheidung der Politik hat Brigitte W. zur “Machtübernahme” veranlasst. Als Angehöriger eines Raseropfers fühlt man sich nicht ernst genommen. “Jeder kann ein Kind bei einem Unfall mit zu hoher Geschwindigkeit verlieren oder beschädigt werden.”
Brigitte W. hat keine Lust mehr auf Politiker. Heute weiß er: „Die würden sowieso nicht in Erfüllung gehen.“
* Bekannter Name