Besserer Schutz vor dem Tod durch Prostatakrebs
Bei Prostatakrebs kann die kombinierte Anwendung einer häufig verwendeten Hormoninjektion zusammen mit einer Bestrahlung der Beckenlymphknoten und des Prostatabetts die Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich verbessern.
Eine neue Studie von Experten des Cedars-Sinai Medical Center untersuchte, wie sich eine Kombination aus Strahlentherapie und Hormoninjektionen auf die Überlebensrate von Menschen mit Prostatakrebs auswirkt, deren Prostata zuvor operativ entfernt wurde.
Die Ergebnisse der entsprechenden Studie wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.
Prostatakrebsfälle in Deutschland
Allein im Jahr 2018 wurden laut Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland rund 65.200 Prostatakrebs-Neuerkrankungen registriert.
Seit 2011 ist die Zahl der Erkrankungen leicht zurückgegangen und in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben, was auch auf den Einsatz von PSA-Tests (Prostata-spezifisches Antigen) als Früherkennungstest zurückzuführen ist.
Häufig ist eine chirurgische Entfernung der Prostata erforderlich
Wird ein Prostatakrebs diagnostiziert, wird häufig die sogenannte Prostatektomie durchgeführt, also die operative Entfernung der Prostata. Nach dieser Operation sollte der PSA-Wert eines Mannes nahe Null sein.
Allerdings steigt der PSA-Wert bei manchen Männern einige Jahre nach der Operation wieder an. Dies ist in der Regel ein Hinweis darauf, dass eine Strahlentherapie erforderlich ist, sagen RKI-Experten.
Verbessertes Überleben durch Kombinationsbehandlung?
Die neue Studie untersuchte, ob eine Bestrahlung zusammen mit einer sogenannten Androgendeprivationstherapie (Hormoninjektionen) hilft, die Überlebensrate bei Prostatakrebs zu verbessern.
Als Basis für die Forschungsarbeit diente eine internationale klinische Studie der Phase III. Zwischen dem 31. März 2008 und dem 30. März 2015 nahmen insgesamt 1.716 Personen an dieser Studie teil, die zuvor eine Prostatektomie hatten und bei denen anschließend ein erhöhter PSA-Wert diagnostiziert wurde.
Die Teilnehmer wurden zunächst einer von drei Gruppen zugeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine Standardbestrahlung (Wild Prostate Bed Radiation Therapy), die auf den Bereich gerichtet war, in dem sich die Prostata befand, bevor sie operativ entfernt wurde. Die Teilnehmer dieser Gruppe hatten eine durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebensrate von 71 Prozent.
Die zweite Gruppe erhielt eine Standardbestrahlung in Kombination mit einer sogenannten Androgendeprivationstherapie. Die Forscher berichten, dass die durchschnittliche Fünf-Jahres-Überlebensrate in dieser Gruppe für diese Menschen 81 Prozent betrug.
Fünf-Jahres-Überlebensrate von fast 90 Prozent
In der dritten Gruppe erhielten die Teilnehmer eine sogenannte Prostata-Bettrettungs-Strahlentherapie, eine Androgendeprivationstherapie und eine Bestrahlung der Beckenlymphknoten.
Es stellte sich heraus, dass diese Form der Kombinationsbehandlung mit einer durchschnittlichen Fünf-Jahres-Überlebensrate von fast 87 Prozent verbunden war. Die Kombinationsbehandlung scheint der vorteilhafteste Ansatz zur Verbesserung des Überlebens zu sein.
Deutlich verbesserte Überlebensrate
„Wir können jetzt bestätigen, dass die Behandlung der Beckenganglien zusammen mit einer Androgenentzugstherapie oder sogar als eigenständige Behandlungsoption die Ergebnisse bei Patienten mit postoperativem Prostatakrebs signifikant verbessert“, sagt der Autor der Studie, Dr. Howard Sandler vom Cedars-Sinai Medical Center in einer Pressemitteilung.
„Diese Ergebnisse sind ein ermutigender Schritt nach vorne sowohl für die medizinische Gemeinschaft als auch für Patienten und ihre Familien, die nach kurativen Behandlungsoptionen suchen“, fügt der Experte hinzu.
Die Behandlung sollte so schnell wie möglich erfolgen
Wenn die Bestrahlung in Kombination mit bewährten Therapien so früh wie möglich erfolgt, also wenn die PSA-Werte am niedrigsten sind, verhilft dies zu guten Ergebnissen bei Männern mit postoperativem Prostatakrebs, berichten die Forscher weiter.
“Die Verbesserung und Verlängerung des Lebens steht im Mittelpunkt unserer Arbeit bei Cedars-Sinai Cancer. Diese wichtigen klinischen Ergebnisse veranschaulichen unsere Mission und zeigen, wie Ideen Spitzenforschung und Behandlungsinnovationen vorantreiben”, sagte der Autor der Studie, Dr. Dan Theodorescu. (wie)
Autor und Informationsquelle
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Dieser Text entspricht den Anforderungen der medizinischen Fachliteratur, medizinischer Leitlinien und aktueller Studien und wurde von medizinischem Fachpersonal geprüft.
Quellen:
- Alan Pollack, Theodore G. Karrison, Alexander G. Balogh, Leonard G. Gomella, Daniel A. Low, et al.: Addition of Androgen Deprivation Therapy and Treatment of Pelvic Lymph Nodes to Prostata Bed Rescue Radiotherapy (NRG Oncology / RTOG 0534 SPPORT): an international Phase 3, multizentrische, randomisierte Studie; a: The Lancet (veröffentlicht 14.05.2022), The Lancet
- Cedars-Sinai Medical Center: Neue Kombinationstherapie hilft, das Leben von Männern mit Prostatakrebs zu verlängern (veröffentlicht 26.05.2022), Cedars-Sinai Medical Center
- Robert-Koch-Institut: Prostatakrebs (Prostatakrebs) (Stand 29.11.2021), RKI
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und sollte nicht zur Selbstdiagnose oder Behandlung verwendet werden. Sie kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.