Scholz verspricht, was Deutschland der Ukraine liefern will
15.06.2022, 07:51
Trotz des russischen Angriffs und der anhaltenden schweren Kämpfe kämpft Bundeskanzler Scholz lange mit der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine. Es gibt jetzt Versprechungen, aber bisher wurde nichts getan. Und es könnte noch eine Weile dauern, bis Kiew die dringend benötigten Waffen bekommt.
Deutschland hat seit der russischen Invasion Tausende von tragbaren Panzerabwehr- und Flugabwehrwaffen und Millionen von Munitionspatronen an die Ukraine geliefert. Bei schweren Waffen zögerte die Bundesregierung lange. Die ersten Einsätze erfolgten nur zwei Monate nach Kriegsbeginn, aber bisher wurde noch nichts in das Kriegsgebiet geliefert. Was Deutschland in der Ukraine versprochen hat und warum die Lieferung so lange dauert:
Flugabwehrpanzer Cheetah
Ende April genehmigte die Bundesregierung die branchenweite Lieferung von 30 außer Dienst gestellten Gepard-Flugabwehrpanzern. Sie stammen von der Rüstungsfirma Krauss-Maffei Wegmann (KMW), müssen aber repariert werden. Laut Bundesverteidigungsministerium sollen die ersten 15 Exemplare Mitte Juli in die Ukraine gehen, die restlichen 15 bis Ende August.
Die Industrie in Deutschland soll ukrainische Soldaten ausbilden. Das Problem ist die Munition. Anfangs standen nur etwa 59.000 Schuss zur Verfügung, was aufgrund der hohen Feuerrate der Flugabwehrgeschütze oft als unzureichend kritisiert wurde.
Panzerhaubitze 2000
Anfang Mai kündigte auch Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht von der SPD an, sieben Panzerhaubitz 2000 aus Bundeswehr-Aktien zu liefern. Am 11. Mai begann in Deutschland die Ausbildung ukrainischer Soldaten mit Granaten, die auf einem Panzerfahrgestell montiert waren. Es sollte in Kürze nach etwa 40 Tagen abgeschlossen sein, dies wäre nächste Woche. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen auch Granaten zur Verfügung stehen.
Luftverteidigungssystem IRIS-T-SLM
Am 1. Juni gab Bundeskanzler Olaf Scholz den Einsatz des hochmodernen Luftverteidigungssystems IRIS-T SLM bekannt. “Eine ganze Stadt kann vor russischen Luftangriffen geschützt werden”, so der SPD-Politiker. Laut Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen wird es voraussichtlich erst in wenigen Monaten verfügbar sein. Offenbar handelte es sich dabei um Mannschaften, die ursprünglich nach Ägypten gehen sollten.
Cobra-Tracking-Radar
Scholz kündigte zudem die Auslieferung des modernen Cobra-Ortungsradars zum 1. Juni an. Es kann verwendet werden, um feindliche Artilleriestellungen zu erkennen. Zu IRIS-T und Cobra sagte Scholz am Montag, diese hochmodernen Waffensysteme seien weltweit gefragt. Die Bundesregierung müsse zunächst Länder überzeugen, die längst bestellt seien, „dass sie bereit sind, aufzugeben“.
Mehrfachraketenwerfer MARCH II
Deutschland will außerdem vier MARS-II-Mehrfachraketenwerfer in die Ukraine liefern. Die Reichweite beträgt laut Bundeswehr je nach Munition bis zu 84 Kilometer. Die Raketenwerfer sollen aus Einsätzen der Bundeswehr stammen und laut Regierungsangaben möglichst bis Ende Juni verfügbar sein. Daher sollten die USA die Ausbildung am Waffensystem übernehmen.
Austausch von Panzerringen durch NATO-Partner
Seit April setzt die Bundesregierung auch auf indirekte Panzerlieferungen über östliche Nato-Partner. Länder wie Slowenien, Tschechien, Polen und Griechenland mussten Waffen aus der Sowjetzeit an die Ukraine abgeben und modernen Ersatz aus Deutschland erhalten. Über einen bereits vollzogenen Ringtausch gibt es allerdings keine Informationen.