Chiara Schlenz und Fabrice Obrist
In der Schweiz herrscht seit Jahren ein akuter Hausärztemangel, eine Besserung scheint nicht in Sicht. Das Bergdorf Grächen VS hat sogar einen Arzt aus El Salvador als Ersatz für den Dorfarzt angestellt!
Aber es gibt auch andere Methoden, um dem Hausärztemangel in der Schweiz zumindest teilweise entgegenzuwirken. Die Firma Praxis Gruppe Schweiz (PGS) hat sich einer angenommen: Sie kauft und betreibt Gruppenpraxen, die den Ärzten mehr Flexibilität und gleichzeitig den Patienten den gleichen Service bieten sollen.
Keine Nachteile für Patienten
„Ziel der Praxisgruppe Schweiz ist die Versorgung des Hausarztes im ländlichen Raum“, erklärt Verwaltungsratspräsident Joseph Rohrer (67). Vor 13 Jahren gründete er das Unternehmen, das neben Gruppenpraxen mit mehreren Ärzten auch Einzelpraxen führt.
Das Geschäftsmodell scheint zu funktionieren. Die PGS betreibt derzeit 28 Arztpraxen. Und auch andere Unternehmen riechen nach Geschäft. Auch hierzulande betreibt das Ärztehaus Deutschschweiz AG 23 Gruppenbüros. Aber warum sind diese Gruppenpraktiken so erfolgreich? Und wie kann man dem Hausärztemangel in der Schweiz entgegenwirken?
Bei einer Gruppensprechstunde sind mehrere Ärzte vor Ort, die sich in ihren Fachgebieten oft ergänzen. Dies hat laut Rohrer den Vorteil, dass ein Patient „im Urlaub seines Arztes in derselben Sprechstunde zu einer Assistenz gehen kann, die bereits seine Krankenakte hat“. Zudem bleibt die persönliche Verbindung zum Arzt erhalten, sodass Patienten weiterhin ihren eigenen Arzt haben.
Joseph Rohrer über Ärztemangel: „Wir sind ganz unten“ (02:24)
„Der Hausarzt ist eine sehr wichtige Vertrauensperson“
Vanessa Federer (37), gelernte Medizinische Fachangestellte, ist seit zehn Jahren als Beraterin im Gesundheitswesen tätig. Sie ist sich sicher: Der Kauf dieser Praktika kann dafür sorgen, dass auch junge Fachkräfte, die kein unternehmerisches Risiko eingehen wollen, in einem Praktikum arbeiten können.
“Ein Hausarzt ist immer noch eine sehr wichtige Vertrauensperson für den Patienten.” In der aktuellen Situation ist Federer zuversichtlich: Diese Konzepte seien von grosser Bedeutung, um die medizinische Grundversorgung sicherzustellen.
Gemeinschaftspraxen sind nicht nur für Patienten, sondern auch für Ärzte eine gute Lösung. Marc Rümmler (42) arbeitet seit über einem Jahr als Arzt in der Praktikantengruppe Brienz, die zum Unternehmen Rohrer gehört.
Verwaltungsarbeit wird entfernt
„Ich arbeite lieber im Team. Diesen Trend sehe ich auch bei jungen Ärzten“, erklärt der Deutsche. Eine Einzelpraxis ist ihm zu klein, eine Gruppenpraxis hat auch einige Vorteile: «Bei unserer Sprechstunde in Brienz entfällt jeglicher Verwaltungsaufwand.» Diese Arbeiten werden vom Hauptsitz der Praktikantengruppe Schweiz in Hünenberg ZG durchgeführt. „Daher kann ich mich voll und ganz meinen Patienten widmen.“
Der Arzt ist sich sicher, dass die Gruppenpraxis Ihre Arbeit attraktiver machen wird. „Junge Menschen wollen flexibel sein, im Team arbeiten, aber trotzdem den persönlichen Bezug zum Patienten nicht verlieren.“ Da Gemeinschaftskliniken all diese Kriterien erfüllen, sind sie Teil der Lösung des Hausarztmangels.
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