Mit Ralph Benatzkys beliebtem Musical „Im Weißen Rössl“ startete die Badener Bühne am Freitagabend in die Sommersaison. In der Sommerszene gelang Regisseurin Isabella Gregor eine energiegeladene und geniale Inszenierung, bei der sich der richtige Kitsch und die richtige Ironie wohltuend die Waage hielten.
Benatzkys Werk ist nicht unbedingt eine gute Operette. Denn die „Kombination aus edlem Feiern, Österreich-Gefühl und Kaiser-Nostalgie“ habe etwas „subversiv Zweideutiges“, wie es der Musikjournalist Edwin Baumgartner vor einigen Jahren so treffend formulierte. In Baden wird diese Doppeldeutigkeit immer wieder sichtbar.
Verena Scheitz ist als resolute Schirmherrin des Rössl hervorragend besetzt, Boris Pfeifer als Kellner Leopold ein nettes Paar. Heimlicher Held und Retter der Premiere war jedoch Alexander Kröner, der in wenigen Tagen stellvertretend die zentrale Rolle von Dr. Siedler übernahm. Oliver Baier als schöner Segismundo bot einen köstlich simulierten Humor, während Andreas Steppan als Hinzelmann kaum wiederzuerkennen schien. Gabriele Schuchter beherrschte das Rollendreieck Reiseleiterin, Portfolio und Bürgermeisterin mit souveräner Komik. Heinz Zednik, 82, gab als Kaiser Franz Joseph einen umjubelten Auftritt.
Das Bühnenbild (Tanja Hofmann) spielt mit touristischen Illustrationssets, darunter eine stilisierte Postkarte mit Briefmarke, datiert 7.VI.40. Was dieses Datum bedeutet, wurde nicht bekannt gegeben. Das Badische Bühnenorchester unter der Leitung von Michael Zehetner klang lebhaft, wenn auch manchmal zu laut im Verhältnis zum Gesang, und auch die Choreografie (Anna Vita) war lebhaft. Am Ende applaudierte sogar Altmeister Harald Serafin an seiner Loge.
(SERVICE – Szene Baden, Sommerpavillon: “Im Weißen Rössl” von Ralph Benatzky. Regie: Isabella Gregor, u.a. mit Verena Scheitz, Boris Pfeifer, Oliver Baier, Gabriele Schuchter, Oliver Kröner, Heinz Zednik. Weitere Vorstellungen bis 26. August , Tickets und Infos: Tel. 02252/22522, www.buehnebaden.at)