Styriarte Graz: All Inclusive im Club Naxos

Naxos: Dies ist die mythische griechische Insel. Man ist fast überrascht, dass er es noch nicht unter Wasser geschoben hat. Da tut es gut, es ruhig angehen zu lassen: In der diesjährigen Opernproduktion der Grazer Steiermark, Johann Joseph Fux’ Die Krone der Ariadne, ist Naxos ein Ferienclub mit spätjährigen Charakteren sechzig. Jedes Jahr eine Oper von Fux, das ist ein wohlverdientes Langzeitprojekt. Zwischen der Styriarte und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften besteht ein fruchtbares Joint Venture.

Bacchus: Rafał Tomkiewicz, Contratenor und die trauernde Arianna: Carlotta Colombo, Sopran. – © Nikola Milatovic

Noten werden in der „Workplace for the Fux Complete Edition“ verarbeitet. Bevor sie Open Access in der Online-Reihe „Fux concertato“ veröffentlicht werden, werden sie in der Steiermark genutzt und getestet. Auch in diesem Jahr arbeitet Alfredo Bernardini als Dirigent des Zefiro Baroque Orchestra. Der Innenhof von Schloss Eggenberg ist wieder ein harmonischer Ort für eine Opernrenaissance, überraschend gut geschützt vor Umgebungslärm. Arianna, die Sie jetzt in einer auf 70 Minuten gekürzten, also stark gekürzten Version antreffen können, entstand 1726. Uraufgeführt wurde sie am Tag des Geburtstages von Kaiserin Elisabeth Christine (Mutter von Maria Teresa).

Die Instant-Version

Venus, die Göttin der Liebe, hat alle Hände voll zu tun, um zwei Paare zusammenzubringen: Die von Theseus verlassene Arianna ist im Elend und der Gott Bacchus wird zu seiner Gefährtin gemacht. Das zweite füreinander bestimmte Paar: Tethys und Peleus. Warum letzterer so gegen eine Beziehung mit Thetis ist, erfahren wir nicht, was von der Broschüre übrig ist, aber dies kann bei Google gefunden werden: Das Orakel sagte, dass Thetis ‘Sohn viel stärker sein wird als sein Vater, was den potenziellen Ehemann verlässt schon in sowas. Dies? In der Instant-Version geht es ohnehin nicht um Mythologie, sondern um das Malen der musikalischen Stimmung. Eine „sanfte Brise, die mit ihrem süßen Hauch die Segel meines Liebesschiffes weht“ – so geht das auf arkadische Art: mit frischer Strömung, taubenetzt, mit erfrischenden Wolken usw.

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Fux lehnte die Rhetorik der lyrischen Musik seiner Zeit hauptsächlich im Streichorchester ab. Bacchus verzichtet auf die schwindelerregende Kriegstrompete und lässt seinen Klang „mit den schönen Saiten verflechten“. Diese Verbindung kompositorischer Liebe ist unübertroffen. Und auch Ariadnes Bitte um Liebe im eigenen Herzen, die sogleich mit einem doppelten Echo beantwortet wird, folgt der höheren Kompositionswissenschaft. Dabei vergisst das handverlesene Ensemble, dass Fux extrem schwer zu singen ist. Rafał Tomkiewicz (Bacchus) und Meili Li (Peleus) sind die beiden Countertenöre von Carlotta Colombo (Arianna) und Marianne Beate Kielland (Thetis). Letztere hat deutlich mehr Arien als die Titelpartie, aber die Oper müsste in dieser Fassung ohnehin Venus heißen. Monica Piccinini als Göttin der Liebe ist die zentrale Figur.

Eine Besonderheit sind die zahlreichen Herzen. Amoretten und Grazien, Molche und Nereiden, Nymphen und Hirten – ein reiches Betätigungsfeld für das Herz Arnold Schönbergs. Clubatmosphäre, besonders in der Bar: Adrian Schvarzstein (Regie) und Lilli Hartmann (Design) katapultieren uns in das Zeitalter der Blumenkinder und ihrer Schlagerstars. Das ist deutlich weniger subtil als die Musik, die man sich durchaus in einer Konzertfassung vorstellen könnte.

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