Samuel Giger hat bei seinen vielen Preisverleihungen immer ein aussergewöhnliches Bild abgegeben. Zumindest aus Sicht der traditionsbewussten Ostschweizer. Giger ist im Thurgau aufgewachsen, sein Vater stammt aus Appenzell, doch das Flaggschiff der NOS-Kämpfer trägt im Ranking ausnahmslos die Tracht der Berner Sennen: den Oberländer Kürmutz.
Dies ist Gigers Hommage an die Familie seiner Mutter Hanni, deren Wurzeln im Brüniggebiet liegen. Samuels Großvater, Christian Schild, war Bauer auf dem Hof Katzenschwanz in Meiringen Unterbach. Schild war auch ein talentierter Kämpfer. Da sein Bergbauernhof jedoch viel Zeit in Anspruch nahm, wurde die Ausbildung in Sägewerken oft vernachlässigt. Er konnte nur eine Handvoll Kronen gewinnen.
1982 wanderte Schild mit seiner Familie in den Thurgau aus. Aber die Kinder hielten den Mund. Samuels Mutter und Onkel Simon, der 1998 die Bundeskrone gewann, sprechen auch 40 Jahre nach ihrer Ankunft in Ottoberg noch den traditionellen Oberhasler Dialekt. Und nun scheint der mit vier Saisonsiegen erfolgreichste Kämpfer der Gegenwart dafür zu sorgen, dass auch die nächste Generation von „Haslititsch“ spricht.
Verbunden mit einer bösen Oberländer-Dynastie
Der Thurgauer Dialekt von Samuel Giger mag makellos klingen, aber seine Herzdame Michelle von Weissenfluh ist eine echte Meiringerin. Die Blondine stammt aus einer Dynastie, die die Geschichte von Brünig-Schwinget auf ganz besondere Weise geprägt hat. Auch weil Michelles Großvater Peter Anfang der 1960er Jahre eine Prohibitionsgrenze überschritten hat.
«Ich war 16, als der Hasliberger Beat Thöni im letzten Spiel von Brünig gegen Karl Meli eine Querschnittlähmung erlitt», sagt der heute 79-jährige Peter von Weissenfluh. „Da Beat ein guter Freund der Familie war, haben mir meine Eltern ausdrücklich verboten, danach Schwungtraining zu machen. Aber dann verbrachte ich ein Jahr in Welschland, wo ich begann, mich trotz der eindringlichen Worte meiner Eltern dem Freistilringen zu widmen.»
Seit Peter von Weissenfluh im Schwingkeller in Murten auf Willy Lardon, den King of Wrestling, traf, lernte er seine spezielle Hüfttechnik. Mit dieser königlichen Waffe legte der stämmige Spätstarter einen beeindruckenden Lauf hin. Bis zu seinem Rücktritt im Herbst 1980 hatte von Weissenfluh acht Kronenfeste und drei Bundeskronen gewonnen. Bei seinem Heimatfest in Brünig gewann er neun Eichenblätter.
Duell mit dem Bruder seiner Freundin?
Noch beeindruckender ist die Brünig-Bilanz seines Sohnes Christian (57), der 1993 mit Niklaus Gasser ex aequo triumphierte und zehnmal die prestigeträchtigste Bergkrone gewinnen konnte. Und obwohl von Weissenfluhs ältester Sohn Peter (58) im Reich des Bösen (1,70 Meter, 78 Kilogramm) körperlich deutlich unterlegen war, holte er sich auch beim Bergklassiker 1992 die Krone.
Peter von Weissenfluh ist der Vater von Gigers Freundin Michelle und Kilian (26), die dieses Jahr den Gipfel im Seeland und im Oberaargau erreichten. Der gelernte Zimmermann, der seit dem letzten ESAF in Zug zum Elitekreis der Eidgenossen gehört, peilt am Sonntag seine dritte Brünig-Krone an.
Und die Chancen stehen gut, dass sich Kilian von Weissenfluh beim 117-Showdown auf der Passhöhe mit seinem „Fan-Schwager“ Giger duelliert. Diese Paarung kam zuletzt 2021 auf der Schwägalp vor. Ergebnis: „Sämi“ besiegte „Kili“, der in diesem Jahr erst einen Marsch verloren hat, in der ersten Minute.
Giger hatte bis dahin übrigens erst einen Wettkampf im Brünig bestritten. 2017 besiegte er Christian Stucki spektakulär, musste sich dann aber im Finale mit drei Plätzen (gegen Thomas Sempach, Bernhard Kämpf und Simon Anderegg) und Platz fünf begnügen.
Bei der anschließenden Krönungszeremonie traf der 1,94 Meter große Riese zum ersten Mal auf Brünigs Trauzeugin Michelle von Weissenfluh. So richtig los ging es zwischen den beiden im darauffolgenden Sommer anlässlich der Schwägalp-Schwinget.
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Zur Teilnahme müssen Sie sich hier registrieren. Viel Spaß und viel Glück!
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