Verbot von Verbrennungsmotoren: Stellantis verlässt den Verband der europäischen Hersteller

Austritt des Verbandes für das EU-Verbot von Verbrennungsmotoren

Riesenauto schäumt, aber anders als gedacht

Das Verbot von Verbrennungsmotoren in der EU ab 2035 schlägt vor allem in Interessengruppen der Autoindustrie Wellen. Stellantis CEO Carlos Tavares hat sie satt.

Gepostet: 23:12 Uhr

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Aktualisiert: 11:55 Uhr

Carlos Tavares (63), CEO des zweitgrößten europäischen Autokonzerns Stellantis, will den europäischen Autoindustrieverband ACEA zum Jahresende verlassen. Der Chef von 14 Automarken weltweit (darunter Citroën, Fiat, Jeep, Maserati, Opel und Peugeot) reagierte auf EU-Beschlüsse zur Zukunft des Verbrennungsmotors.

Anfang Juni bebte die Automobilwelt. Per Abstimmung hat das Parlament der Europäischen Union (EU) einem Verbot von Verbrennungsmotoren in Neuwagen ab 2035 zugestimmt. Das bedeutet, dass ab Mitte des nächsten Jahrzehnts von europäischen Autoherstellern nur noch Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden dürfen, die keine Treibhausgase ausstoßen . Dies ist das Ende von Benzinern, Dieseln und Motoren, die mit Erdgas (CNG), Flüssiggas (LPG) oder synthetischen Kraftstoffen betrieben werden.

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Die Schalter der Autolobby

Die Verordnung soll nur für ab 2035 verkaufte neue Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge gelten; schwere Lkw, Schiffe oder Flugzeuge können ab heute noch mit Verbrennungsmotoren betrieben werden. Das Neuwagenverbot betrifft auch die Schweiz, obwohl sie kein Mitglied der EU ist. Denn auch unsere Neuwagen müssen EU-Typgenehmigungen und damit auch europäische Abgasnormen erfüllen. Das Verbot muss jedoch noch das EU-Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.

Im Vorfeld der Entscheidung hatten viele Abgeordnete über Versuche von Interessengruppen berichtet, den Prozess zu beeinflussen. Und auch nach der Entscheidung vertraten ACEA und der Verband der Automobilindustrie VDA sofort die gegenteilige Position: ACEA-Präsident und BMW-Chef Oliver Zipse (58) nannte die Entscheidung „verfrüht“, weil es noch keine ordentliche Ladeinfrastruktur gebe. Und VDA-Präsidentin Hildegard Müller (54) erklärte, die Abgeordneten hätten „eine Entscheidung getroffen gegen den Bürger, gegen den Markt, gegen Innovationen und gegen moderne Technologien“. Auch die Branchenverbände in der Schweiz äußerten sich kritisch.

Die Industrie schneller als die EU

Für den Chef von Stellantis, Tavares, der Tropfen, der die Freude brach: Schluss mit der traditionellen Lobby in den Verbänden: Stellantis wird seine Teilnahme einstellen und ACEA verlassen. Hintergrund: Während Verbände gegen ein Verbot von Verbrennungsmotoren kämpfen, haben die meisten Autohersteller längst eigene Pläne, Verbrennungsmotoren abzuschaffen. Und sie sollen lange vor 2035 in Kraft treten: Spätestens 2030 soll Stellantis den Verbrennungsmotor in Europa beenden; die Konzernmarke Opel etwa will bis 2028 nur noch Elektromodelle anbieten. Es sieht also so aus, als würde sich Tavares nicht mehr von ACEA vertreten fühlen. Auch der VW-Konzern und Mercedes sagten, sie könnten der Entscheidung durchaus zustimmen.

Dialog statt Lobby

„Der Zugang zu sauberer, sicherer und erschwinglicher Mobilität für Bürger auf der ganzen Welt steht auf dem Spiel“, sagte Tavares in einer Pressemitteilung. Den anhaltenden Widerstand der Verbände gegen die Entscheidung der EU sieht er offenbar als Hindernis für konstruktive Lösungen für die Mobilität der Zukunft. Tavares hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass die Elektromobilität von der Gesellschaft eindeutig gewollt sei und die Automobilindustrie deshalb leisten müsse – schließlich wählten die Menschen der Nationalstaaten Politiker, die dieses Amt vertraten.

Künftig möchte Tavares lieber direkten Kontakt zu Interessenvertretern und Bürgern haben, als über Branchenverbände Einfluss zu nehmen. Er kündigte die Gründung eines Forums für freie Mobilität an, in dem die Zukunft faktenbasiert und unter Beteiligung von Politik, Wissenschaft und Autoindustrie debattiert wird.

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