Gepostet am 1. Juni 2022, 10:08 Uhr
Mangelnde Routine und Selbstüberschätzung führen bei jungen Autofahrern zu mehr Unfällen, sagt Aargauer SP-Nationalrätin Gabriela Suter. Autofahrer mögen das überhaupt nicht.
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Themenfoto: Autoposen fahren mit ihren Sportwagen durch die Innenstadt und rund um das Seebecken, aufgenommen am Bürkliplatz, 26. März 2021 (URS JAUDAS / TAMEDIA AG)
Urs Macht
Gabriela Suter, Nationalrätin der SP im Kanton Aargau, fordert den Bundesrat auf, eine Leistungsbegrenzung für junge Autofahrer einzuführen. Ein Blick in Polizeiberichte zeigt, dass junge Autofahrer, meist Männer, regelmäßig zu schnell fahren. Dies wird auch durch Unfallstatistiken bestätigt.
Andere europäische Länder haben laut Suter schon lange ein Leistungslimit für neue Fahrer. In Italien beispielsweise dürfen Anfänger im ersten Jahr nur Autos mit maximal 75 PS fahren, während in Kroatien für Kinder unter 25 Jahren eine Höchstgrenze von 102 PS gilt. Diese Einschränkung sollte auch in der Schweiz eingeführt werden, da sie dort bereits für Motorräder besteht.
Der Auto-Tuner-Verband ist dagegen
Christoph Schwägli vom Auto-Tuning-Verband Schweiz-Liechtenstein bezeichnet eine PS-Beschränkung für junge Fahrer als völlig falsch, nicht machbar und wirkungslos. Erstens sind Jungen nicht die Hauptunfallursache, wie Gabriela Suter in der Motion vorträgt. Schwägli hat eine Garage in Wiedlisbach BE und bietet auch einen Abschleppdienst an. Er weiß von der Abschleppaktion: „Es sind nicht die Jungs, die Unfälle haben.“
Auch eine PS-Beschränkung ist weder sinnvoll noch praktikabel. “Heutzutage lernen Fahrschüler mit 150 bis 300 PS fahren. Ich habe gerade mit einem Fahrlehrer über diesen politischen Anspruch gesprochen, er hat nur den Kopf geschüttelt. “Für Fahrschüler ist es geradezu gefährlich, nach dem Überholen ein komplett ausgestattetes Auto fahren zu müssen Test, sagt Schwägli, und mit Blick auf das Beispiel Italien, wo Fahranfänger ein Jahr lang nur Autos bis 75 PS fahren dürfen: „Solche Autos gibt es nicht mehr, und wenn, dann sind es alte Modelle ohne Sicherheitssysteme wie das ABS, die heute Standard sind.“
„Meine Mitschüler und ich sind sauer“
Auch Sohn Björn Schwägli arbeitet im Garagengeschäft, mit 30 Jahren beurteilt er die Forderung nach einer Pferdebeschränkung aus einem anderen Blickwinkel, sagt er. Natürlich schüttelte er über diesen Vorschlag den Kopf, musste aber auch sagen: „Meine Teamkollegen und ich regen uns immer sehr auf, wenn unerfahrene junge Fahrer mit kalten Reifen ihre 600-PS-Boliden beschleunigen.“ Das ist einfach unverantwortlich.
Gegner erhalten politische Unterstützung. SVP-Nationalrat Walter Wobmann, Präsident des Verbandes Schweizer Motorrad, lehnt den Vorschlag von Gabriela Suter vehement ab. Die Schweiz ist ein freies Land und es muss einen triftigen Grund für diese Einschränkung geben. Das zeige die Statistik aber nicht, sagt Wobmann.
Die Motorleistung der Fahrzeuge spiele bei Verkehrsunfällen fast keine Rolle, schreibt der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion. Die durchschnittliche Motorleistung in der Schweiz beträgt 136 PS. Laut Bundesrat wurden 2019 nur 3,6 Prozent der schweren Unfälle von Fahranfängern mit einem Auto über 136 PS verursacht. Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) geht davon aus, dass eine Beschränkung von PS nur geringe positive Effekte hätte.
„Ich bin 21 Jahre alt und hatte zwei Unfälle“
Eine nicht repräsentative 20-minütige Leserumfrage und die Autotuning-Szene zeigen, dass etwa die Hälfte der Autoenthusiasten dafür und die andere Hälfte dagegen ist. Robert (35) ist einer der Befürworter: „Das sollte man auch mit Motorrädern machen. Einem 18-Jährigen eine 600-PS-Maschine zu geben, ist, als würde man einem Achtjährigen eine Waffe geben. Er weiß, dass es gefährlich ist, aber er beweist es trotzdem gerne.”
Jonas (21) sagt: „Ich finde das keine schlechte Idee. Ich würde sagen, maximal 150 PS für alle unter 20. Weil ich denke, dass sie ohne Fahrpraxis mehr Leistung nicht vertragen. Ich bin selbst 21. Und ich hatte zwei Unfälle. Ich weiß, wie das ist.“
Und Yannik (18): „Ich denke, es kommt auf das Auto an, ich glaube nicht, dass es für Neueinsteiger nötig ist mit all den Sicherheitsassistenten. Aber wenn es ein 90er-Auto mit zu viel Power ist, ohne Hilfe gut.“
Stattdessen weist Marco (20) die Klage zurück: „Ich hatte selbst ein 90-PS-Auto als Alltagsauto und als Schönwetterauto hatte ich ein 300-PS-Auto. Aber mit dem kleinen 90-PS-Fahrzeug war ich meistens schneller, während ich mit dem stärkeren immer gut gefahren bin. Ich glaube überhaupt nicht an dieses Gesetz.“ Melanie (34) sieht das genauso: „Man kann auch ganz normal viel PS fahren und sich auf der Straße beherrschen.“ Mit einem 70-PS-Auto kann der Personalausweis sein widerrufen oder, schlimmer noch, ein Unfall“.