Hohe Inflation und vielerorts steigende Zinsen machen digitale Währungen wie Bitcoin immer schwieriger.
Anfang der Woche fiel der Preis des ältesten und bekanntesten kryptografischen Systems auf den niedrigsten Stand seit anderthalb Jahren. Auf der Handelsplattform Bitstamp kostete ein Bitcoin mindestens 23.300 US-Dollar (22.340 Euro), der niedrigste Stand seit Dezember 2020.
Starke Preisschwankungen
Vor dem Wochenende mussten sie etwa 30.000 US-Dollar für einen Bitcoin bezahlen. Nicht nur Bitcoin, die nach Marktwert größte Internetwährung, sondern auch andere digitale Aktien gerieten am Montag erheblich unter Druck. Ether, der zweitgrößte Kryptowährungsmarkt, fiel auf 1176 US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit Anfang 2021. Erst am Nachmittag erholte er sich leicht. Der Marktwert von rund 19.800 Internetwährungen fiel zeitweise auf 971 Milliarden Dollar. Das Allzeithoch vom vergangenen November ist etwa dreimal so hoch wie fast 3 Billionen Dollar.
Kapitalmarktzinsen als Problem
Wichtigster Grund für den jüngsten Kursrückgang sind die weltweit steigenden Kapitalmarktzinsen. Die Renditen spiegeln den Kurs einer deutlich strafferen Geldpolitik vieler Notenbanken wider. Die Märkte wurden kürzlich durch höher als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten am vergangenen Freitag angekurbelt, die mit 40 Jahren ihren Höchststand erreichten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte letzte Woche die Zinsen, was viele Analysten als überraschende Ankündigung ankündigten, dass die Zinsen in naher Zukunft steigen würden.
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Kryptografische Assets leiden in zweierlei Hinsicht unter der Entwicklung. Einerseits gelten sie als sehr unsichere Geldanlagen, da sie im Preis oft stark schwanken. Da das allgemeine Marktumfeld zudem durch steigende Zinsen deutlich getrübt wird, leiden digitale Aktien besonders unter der Stimmung. Zudem generieren Kryptowährungen keine laufenden Einnahmen. Steigen die Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere, verstärkt sich dieser Nachteil und senkt die Preise.
Anbieterplattform
Kryptografie-Experte Timo Emden von Emden Research nennt als weiteren Grund für den starken Kursverfall die Probleme des Kryptowährungsanbieters Celsius Network. Der Anbieter hatte Abhebungen und Überweisungen vorübergehend ausgesetzt. Celsius gehört zum Bereich der sogenannten dezentralen Finanzdienstleistungen, einem schnell wachsenden Zweig der kryptografischen Szene. Hier werden beispielsweise Transaktionen mittels Blockchain-Technologie ohne Beteiligung klassischer Finanzinstitute wie Banken abgewickelt. Marktteilnehmer wurden vor einigen Wochen an die Probleme mit dem Stablecoin TerraUSD erinnert, der auch für einen Crash im Kryptomarkt gesorgt hatte.
Nach einem Rekordhoch setzt sich der Absturz fort
Bis November letzten Jahres wuchsen digitale Währungen trotz bereits hoher Inflation weiter. Damals sahen einige Marktteilnehmer Kryptowährungsanlagen als Schutz gegen die inflationsbedingte Abwertung traditioneller Währungen wie Dollar oder Euro. Dieses Bild hat sich nun geändert. Seit dem Erreichen eines Rekordhochs von etwa 69.000 US-Dollar im vergangenen November ist Bitcoin um mehr als 60 Prozent gefallen.