“Wer Farbenblindheit macht, eröffnet Möglichkeiten!”

Intermezzo – Künstler im Gespräch

Schauspieler Bless Amada im Gespräch

12. Juni 2022, 11:57 Uhr

Beim Vorsingen an der Otto-Falckenberg-Schule in München stand er zum ersten Mal auf der Bühne und trug Monologe aus „Hamlet“ und „Othello“ vor. Bless Amada wurde in Lomé, der Hauptstadt Togos, geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Deutschland. Seit September 2021 ist der 25-Jährige Teil des Burgtheaters, wo er nun unter anderem als Trinker Lignière in „Cyrano de Bergerac“ zu sehen ist. In der Adaption des britischen Dramatikers Martin Crimp weichen die gut gelaunten Alexandriner den Hip-Hop-Reimen von Edmond Rostand. Wenn Autor Martin Crimp dem Klassiker einen modernen Look verleiht, ist Bless Amada in seinem Element.

Der Newcomer macht nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Massenproduktion eine gute Figur. Kürzlich überraschte Amada das junge Publikum mit der Netflix-Serie „Kitz“, die die Geschichte einer langweiligen goldenen Jugend erzählt, die den eleganten Skiort Kitzbühel in einen Spielplatz für ihre dekadenten Aktivitäten verwandelt. Eine Serie, die dank des „Colorblind Casting“ für Aufsehen sorgte, boomte zuletzt auch auf Netflix. Im historischen “Bridgerton”-Schinken verkörpern Farbige die Aristokraten der Regentschaftsära, und eine schwarze Königin beobachtet mit strengem Blick den Jahrmarkt der Frisierkommode. Während manche Kritiker diese historische Abweichung als Feier der Vielfalt feiern, sprechen andere von Geschichtsfälschung. Laut Bless Amada erfüllt die Idee, dass People of Color auch Aristokraten, Prinzen oder Prinzessinnen sein können, einen tief verwurzelten Wunsch. Einen Raum der Möglichkeiten eröffnen, sagt der Schauspieler. Der Erfolg stimmt den Produzenten jedenfalls: „Bridgerton“ war 2021 eine der beliebtesten Serien des Streaminganbieters Netflix.

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