Gas-Notfallplan: Wie Kunden von EU-Plänen betroffen sein können

Die Kommission hat Ansätze aus mehreren Mitgliedstaaten zusammengestellt. Es ist unter anderem der schnellste Ausbau erneuerbarer Energien.

Deutlich umstrittener dürfte dagegen die ebenfalls enthaltene Idee sein, Atom- und Kohlekraftwerke möglicherweise länger weiterlaufen zu lassen. In letzter Zeit gab es in Deutschland heftige Debatten zu diesem Thema, da die letzten drei Kernkraftwerke voraussichtlich bis Ende des Jahres vom Netz gehen werden.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Das Dokument könnte in Deutschland zu hitzigen Diskussionen über die Nutzungsdauer von Atomkraftwerken führen. (Schriftart: D. Anoraganingrum / FuturexImage / imago-images-pictures)

Denkbar sei auch ein Auktionsmechanismus, der Anreize für Unternehmen schaffe, Energie einzusparen und dafür eine Vergütung zu erhalten, schreibt die Kommission. In Deutschland hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck diese Maßnahme vorgeschlagen.

Die Idee: Firmenkunden bieten die Höhe der staatlichen Ausgleichszahlungen und das günstigste Gebot erhält den Zuschlag. Die Idee dahinter ist, dass diejenigen mit niedrigen Geboten eher auf Gas verzichten können und dank Ausgleichszahlungen auf Alternativen ausweichen können, die ohne Förderung zu teuer wären.

Im Ernstfall würde das Gas dann an alle Unternehmen gehen, die darauf verzichten können. Lesen Sie hier mehr darüber. Dieser Mechanismus könnte auch grenzüberschreitend implementiert werden, ähnliche Modelle gibt es bereits im Strommarkt.

Büros sollten weniger beheizt werden

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von viel konkreteren Vorschlägen zum Energiesparen. In der zweiten Phase des Notfallplans heißt es in dem Dokument, dass öffentliche Gebäude, Büros und Gewerbegebäude ab Herbst auf maximal 19 Grad Celsius beheizt werden müssen. Die Kühlung sollte nur bei 25 Grad erfolgen. Ziel ist es, Industrien zu schützen, die für Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit besonders wichtig sind.

Die Haushalte werden zudem dazu animiert, freiwillig weniger zu konsumieren. „Wenn Sie jetzt handeln, können Sie die Auswirkungen einer plötzlichen Versorgungsunterbrechung um ein Drittel reduzieren“, heißt es in dem Entwurf des Dokuments. Es bestehe nun ein „erhebliches Risiko“, dass Russland in diesem Jahr die Gaslieferungen nach Europa unterbreche.

Wichtig bei all dem: Der Plan kann sich noch ändern, es ist nur ein vorläufiges Dokument. Die endgültige Version wird voraussichtlich am kommenden Mittwoch (20. Juli) offiziell vorgestellt. Am selben Tag soll laut Entwurf auch die zweite Phase des Plans angekündigt werden.

In welcher Abhängigkeit ist die EU von Russland?

Deutlich weniger als letztes Jahr. Insgesamt liegen die Gasflüsse laut Entwurf nun unter 30 Prozent des Durchschnitts der Jahre 2016-2021.

Dies ist jedoch noch kein Grund für völlige Klarheit. Simulationen der EU-Regulierungsbehörde ENTSO-G hätten dem Text zufolge ergeben, dass ein Lieferstopp im Juli dazu führen würde, dass Gasspeicher nicht ausreichend gefüllt werden könnten und daher im Winter und im nächsten Jahr noch knapp werden könnten. Bei einem Ausfall im Oktober oder später wäre das Risiko für die Winternachfrage geringer. Aber dann hättest du weniger Zeit zu reagieren.

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